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Komm auf slack

Du fragst dich, wie wir – die Initiativen und Einzelpersonen im Netzwerk für gute Arbeit in der Wissenschaft – miteinander kommunizieren?

Wir kommunizieren bundesweit über „Slack“. Slack heißt die Kommunikationsplattform, die wir bei NGAWiss benutzen.

Möglicherweise denkst du: oh nein, nicht noch eine neue Kommunikationstechnik lernen. Doch wir wollen dir Mut machen! Auch mit wenig Erfahrung mit sozialen Netzwerken kannst du das Prinzip schnell verstehen. Slack bietet viele tolle Möglichkeiten!

Warst du schon einmal bei einem NGAWiss-Treffen und willst an der Plattform teilhaben? Dann schreib eine Mail an: mail@mittelbau.net

Für einen ersten Einstieg haben wir ein Dokument erstellt, um die Hemmschwelle zu überwinden: Zum Dokument

 

Aber Achtung:
Die Kommunikationsplattform Slack kann keine analogen Treffen ersetzen! Erst, wenn wir uns regelmäßig an den vielen Standorten in Deutschland treffen, können wir auch auf Slack die Übersicht behalten und verstehen, was da auf der Plattform diskutiert und bearbeitet wird!

Ansprache an die HRK

(c) Katharina Maria Schmitt

Guten Tag,

wir freuen uns, für fünf Minuten Ihr Ohr zu haben, um ein Problem anzusprechen, das praktisch jeden von uns, die wir als akademischer „Nachwuchs“ bezeichnet werden, als Einzelkämpfer*in betrifft, solange wir Wissenschaft betreiben – und das uns im Einzel­kämpfertum zumeist auch gefangen hält. Im Namen einer besseren Hochschule und einer besseren Wissenschaft möchten wir dieses Problem als das kollektive und struk­turelle thematisieren, das es ist, und Sie zur Auseinandersetzung damit auffordern.

Dieses im hochschulpolitischen Diskurs meist als „Flaschenhalsproblematik“ ange­sprochene Problem stellt sich in klaren Zahlen wie folgt dar: Auf eine einzige Professur, also den unter den aktuellen Verhältnissen nahezu einzigen unbefristeten Stellentyp, kommen, wenn man die Frequenz ihrer Besetzbarkeit zugrundelegt: fünfundzwan­zig Doktorand*innen, ca. acht Postdoktorand*innen und fünf Habilitierte. Je nach Qualifizierungsstufe werden also  80, 88 oder 96 Prozent von uns, die wir Wissenschaft betreiben und dafür ausgebildet werden und sind, nur qualifi­ziert, um zu irgendeinem – für die Einzelnen nie absehbaren, aber nahezu unausweichlichen – Zeitpunkt wieder disqualifiziert zu werden.

In der Presse liest man zu diesem Problem, die deutschen Hochschulen funktionierten „wie eine Firma, die alle Angestellten unwiderruflich kündigt, die es nicht in einer gewissen Zeit zum Abteilungsleiter gebracht haben“. (WDR) Nachzu­tragen wäre, dass die „gewisse Zeit“ im Falle der 80% meist ein halbes Berufsleben ausmacht.  Doch angesichts kürzester Vertragslaufzeiten, angesichts Massenandrangs auf jede ausgeschriebene Stelle und Berufs­verbotsdrohung durch die Weise, in der die Hochschulen das Wissenschaftszeitvertragsgesetz auslegen, beschreibt vielleicht auch ein anderes Bild unsere Lage. Wir kommen uns vor wie eine Heerschar, die, abwechselnd rennend und in Deckung gehend, unter Dauerbeschuss die Stellung der wissenschaftlichen Exzellenz erobern soll, in dem sicheren Wissen, dass auf dem Wege dahin nahezu alle liegenbleiben werden. Wir sind 145 000, von denen 8000 übrig geblieben sein werden, wenn sie den Status erreichen, mit dem man Wissenschaftler*innen nicht nur sein darf, sondern es auch bleiben. Manche nennen das mit einem nicht viel weniger martialischen Bild Bestenauslese; gemeinsam ist beidem, dass die Vielen vor allem dazu da sind, die Wenigen zu befördern.

Unser Aufruf an Sie lautet daher: Machen Sie uns nicht länger zum Kanonen­futter einer Wettbewerbsideologie, die mehr Karriereleichen produziert als Karrie­risten. Hören Sie auf, uns als wissenschaftlichen Nachwuchs zu bezeichnen, wenn doch „Nachwachsen“ für die meisten nichts Besseres heißt, als untergepflügt zu werden wie die schief gewachsene Kartoffel oder die Gurke mit falschem Krümmungs­grad. Als Hochschulleitungen sorgen Sie alltäglich dafür, dass fast niemand von uns nach Ablauf der Zwölf-Jahres-Frist weiterbeschäftigt wird, wie in anderen Berufen schon nach zwei Jahren. Stattdessen werden wir hochqualifiziert in die Beschäftigungs­losigkeit entlassen, werden langwierig erworbener Sachverstand, Erfahrung und Wissen mit Ihrer praktischen und ideellen Zustimmung entwertet. Die nächste Kartoffel könnte ja runder sein, und Produktionsmittel gibt es reichlich.

Als Teil der Allianz der Wissenschaftsorganisationen hat die HRK 2011 das Wissen­schafts­zeitvertrags­gesetz zu einem „unverzichtbaren Instrument“ erklärt, „um die hohe Qualität unseres wissen­schaftlichen Personals zu sichern“. Ihr Standpunkt ist also offenbar, dass gute Forschung und Lehre durch die Selektion der sie Betreibenden zu gewährleisten sei – und nicht durch Arbeits­verhältnisse, die es ermöglichen, sich auf die Kernaufgaben der Wissenschaft zu konzentrieren.

In einer Zeit, in der die Freiheit der Wissenschaft bedeutsamer ist denn je, fordern wir Sie auf, diesen Standpunkt zu revidieren. Nicht nur wir haben inzwischen den Eindruck, dass der Zwang zu Selbstdar­stellung und karrieretechnischer Über­lebenssicherung, der Wettbewerb um Drittmittel und hochrangige Publikationsorte (an dem wir mal aktiv, mal abhängig teilnehmen müssen) und eine permanente Evaluie­rungsaktivität Forschung und Lehre zusehends zur Nebensache degradieren. So aber sabotiert eine Personalpolitik der Prekarisierung und Endlosselektion die Wissen­schaft durch ihre eigenen vermeintlichen Qualitätssicherungs­maßnahmen. Es sind nicht Angst, Abhängigkeit, Opportunismus und Über­lebenswille, die Wissenschaft zum Blühen bringen, sondern Autonomie und die Möglichkeit langfristig selbst­bestimmten Arbeitens. Trauen Sie Ihren Beschäftigten zu, das unter Beweis zu stellen – und erkennen Sie mit praktischen Maßnahmen an, wie sehr wir es schon unter Beweis gestellt haben.

Hiermit laden wir uns selbst auf die nächste Hochschulrektor*innenkonferenz ein. Wir sind das “Netzwerk für Gute Arbeit in der Wissenschaft (NGAWiss)” – und freuen uns von Ihnen zu hören.
Auf Wiedersehen!

Pressespiegel

17.11.2017 taz: Prekäres Kanonenfutter

15.11.2017 GEW: Lehrstühle überwinden, Arbeitsbedingungen verbessern

15.11.2017 neues deutschland: Dauerstellen im Mittelbau

15.11.2017 junge Welt: Fünf Minuten

14.11.2017 Deutschlandfunk: Konkurrenzkampf und Kinderlosigkeit

14.11.2017 taz: arbeitsbedingungen an den unis – Zeitgemäß wie ein Talar

14.11.2017 Potsdamer Neueste Nachrichten: Protest für bessere Uni-Jobs Kritik zum Treffen der Hochschulrektoren

09.11.2017 Die ZEIT: Machtmissbrauch in der Wissenschaft

12.10.2017 WDR: Arme Akademiker zwischen Professur und Prekariat?

13.11.2017 Gemeinsame Tagung mit der GEW

04.09.2017 die.tageszeitung: Teures Wahlkampfthema Uni

01.09.2017 Junge Welt: Erzwungene Flexibilität

01.09.2017 Neues Deutschland: Exzellente Ausbeutung

21.06.2017 Chemistryworld: Fixing Germany’s academic pipeline

18.05.2017 Junge Welt: »Gemeinsam kampagnenfähig werden«

12.05.2017 Deutschlandfunk: Widerstand an deutschen Hochschulen wächst

26.04.2017 Spiegel Online: Aufstand in den Lernfabriken

02/2017 Deutsche Universitätszeitung (duz): Kollektiver Widerstand (von Ruben Schenzle)

NGAWiss-Pressekonferenz am 31.8.2017 in Berlin

20.02.2017 detektor.fm: Job oder Familie – eine unmögliche Wahl

19.02.2017 Süddeutsche Zeitung: Wissenschaftliche Mitarbeiter – Risiko inbegriffen

16.02.2017 Süddeutsche Zeitung: Wissenschaft in der Warteschleife

15.02.2017 Frankfurter Allgemeine Zeitung: Niedriglohnsektor mit höchsten Ansprüchen – nur in der Printausgabe

14.02.2017 Zeitschrift für Medienwissenschaft: Für Gute Arbeit in der Wissenschaft!

07.02.2014 BR 2 Zündfunk: Schöne Worte reichen nicht – der Mittelbau organisiert sich

NGAWiss-Gründungskongress in Leipzig 21.01.2017

05.02.2017 Süddeutsche Zeitung: Der Mittelbau macht mobil (von Peter Grottian)

25.01.2017 detektor.fm: Besser ohne Lehrstuhl?

24.01.2017 MDR: Netzwerk kämpft gegen prekäre Arbeit in der Wissenschaft

21.01.2017 MDR: Netzwerk will Uni-Mitarbeitern das Streiken beibringen

19.01.2017 Jungle World: Keine Liebe für den Schreibtisch (von Ruben Schenzle)

19.01.2017 ZEIT Chancen: Mobilisieren, statt jammern! (von Peter Ullrich)

17.11.2016 Jungle World: Der Muff der Exzellenz (von Peter Ullrich)

 

Aufruf 14.11.

Eintreten! – Für Gute Arbeit in Forschung und Lehre

Wir sind die 93 Prozent!

Flyer Kundgebung

Am 14. November 2017 tagt in Potsdam die Hochschulrektorenkonferenz (HRK), die sich selbst „Stimme der Hochschulen“ nennt. Wir meinen: da fehlt etwas! Die zahlreichen Stimmen der Beschäftigten im so genannten Mittelbau oder wissenschaftlichen Nachwuchs. Die Stimmen der fast 200.000 Menschen also, die täglich engagiert und kompetent den größten Teil der Arbeit in Forschung und Lehre stemmen, und dafür seit Jahrzehnten mit Billigjobs, Kurz- und Mittelfristverträgen, persönlicher Abhängigkeit, unsicheren Zukunftsperspektiven und entgrenzter Arbeit „belohnt“ werden.

Weil sich das ändern muss, weil Arbeit in der Wissenschaft kein Abenteuersport, sondern ein Beruf ist, weil diese prekären Arbeitsverhältnisse auch die Studienbedingungen der Studierenden verschlechtern und weil wir nicht einsehen, dass unsere Stimmen in Hochschulgremien und -politik systematisch überhört werden, werden wir die Hochschulrektorenkonferenz mit unseren Forderungen konfrontieren.

Kommt zahlreich und bringt Kolleg*innen mit zur Kundgebung

Am Dienstag, den 14.11.17 um 8:30 vor der Hochschulrektorenkonferenz

Audimax, Am Neuen Palais 10, Haus 8, 14469 Potsdam

++++++Und: WEITERSAGEN++++++

Pressemitteilung 31.08.2017

Presseerklärung zur Bundespressekonferenz am 30.08.2017

Qualität statt Prekarität

Wissenschaftler*innen fordern das Ende der Ausbeutungsstrukturen an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen

Seit Jahren verschlechtern sich die Arbeitsbedingungen in der deutschen Wissenschaft. Befristungen von unter einem Jahr, die Unter- oder Nicht-Entlohnung von Lehrtätigkeit und der Verschleiß von hoch qualifiziertem wissenschaftlichem Personal sind inzwischen der Regelfall. 75% aller wissenschaftlich Beschäftigten haben befristete Arbeitsverträge. Zum Vergleich: in Frankreich und Großbritannien sind lediglich ein Viertel, in den USA sogar nur ein Fünftel der wissenschaftlichen Arbeitsverträge befristet.

Grafik nach R. Kreckel: Akademischer Nachwuchs als Beruf?, S. 5/16. Unter: http://www2.soziologie.uni-halle.de/emeriti/kreckel/docs/nachwuchs-weber-txt-fertig-kre.pdf

„Das deutsche Universitätssystem, das in politischen Sonntagsreden so hoch gelobt wird, basiert zu Teilen auf der Ausbeutung derer, die ohne Absicherung und ohne angemessene Bezahlung unterrichten”, sagt PD Dr. Ulrike Stamm.

Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen belegen die schlechten Bedingungen für Wissenschaftler*innen in Deutschland. Es wird allgemein anerkannt, dass die derzeitigen Zustände unhaltbar sind. Doch trotz oder gerade wegen aller Maßnahmen, die die Politik in den letzten Jahren ergriffen hat, hat sich die Situation nur verschlimmert. Dies gilt insbesondere für die inzwischen immer umfangreicheren Forschungsmittel, die der Bund über die Exzellenzförderung sowie über spezifische Forschungsprogramme als Drittmittel vergibt. Mehr Geld fließt, doch dieses Geld ist projektgebunden und verstärkt damit die Praxis und Zahl der Befristungen.

„Das Geld, das der Bund in den letzten Jahren in die Bildung investiert hat, hat die Arbeitsbedingungen der Akademiker*innen tendenziell noch verschlechtert. Wir brauchen weitaus umfassendere Reformen. Geld allein kann die Probleme nicht beheben“, so Dr. Mathias Kuhnt.

Die Grundfinanzierung der Hochschulen und Forschungseinrichtungen reicht immer weniger zur Deckung der Grundaufgaben der Hochschulen, ist in den letzten Jahren tendenziell gesunken, während viel Geld in Maßnahmen wie die Exzellenzinitiative und projektgebundene Forschungsförderung geflossen ist. Gleichzeitig steigen die Studierendenzahlen. Die Hochschulen sind so gezwungen, immer mehr Lehre durch den massenhaft prekär beschäftigten Nachwuchs sowie unbezahlte Privatdozent*innen und unterbezahlte Lehrbeauftragte zu bewältigen. Dies wirkt sich nicht zuletzt auf die Qualität der Lehre sowie der Betreuung aus, die immer schlechter zu gewährleisten sind.

Die Forschung leidet derweil unter einer Struktur, in der wenige Professor*innen zunehmend die einzig permanenten Arbeitskräfte an der Universität sind. Auch ihre Arbeitsbedingungen verschlechtern sich, weil die akademische Selbstverwaltung und immer umfangreichere Verwaltungsaufgaben für immer mehr befristet beschäftigte Kollegen*innen zu bewältigen sind. Gleichzeit steigt die Macht der Professor*innen und damit die Gefahr von Missbrauch und Korruption, was die Forschungsqualität ebenfalls bedroht.

„Wissenschaftspolitik kommt im Wahlkampf kaum vor, während sich scheinbar alle einig sind, dass wir in einer Wissensgesellschaft leben. Die wissenschaftspolitischen Programme der Parteien enttäuschen überwiegend. Wir freuen uns, dass einige Parteien mehr Geld in die Wissenschaft stecken wollen, doch ohne die notwendigen umfangreichen Reformen wird dieses Geld keine bessere Lehre und Forschung ermöglichen“, so Mathias Kuhnt.

Für Rückfragen stehen Ihnen unsere Kolleg*innen zur Verfügung:

Mathias Kuhnt
Mobil:  0176/20590002
Mail: mail@mittelbau.net
Ulrike Stamm
Mobil: 0176/76159262
Mail: ulrike.stamm@hu-berlin.de
Fabian Frenzel
Mobil: 0157/39624813
Mail: fab@in-no.org

Zur Pressemitteilung als pdf hier klicken.

NGAWiss-Forderungen

Seit einigen Jahren wächst der Protest der Mittelbau-Initiativen, PromovierendenVerbände und anderer Betroffener. Im Netzwerk für Gute Arbeit in der Wissenschaft haben sich im Januar 2017 in Leipzig über 100 Vertreter*innen aus über 30 wissenschaftlichen Einrichtungen und Hochschulen zusammengeschlossen. 
Heute stellt das Netzwerk seine Forderungen für eine umfassende Reform des deutschen Wissenschaftsbetriebs vor. 
Im Einzelnen fordert NGAWiss in dem 7-seitigen Forederungskatalog:
  • Unbefristete Beschäftigungsverträge nach der abgeschlossenen Promotion
  • Die Abschaffung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes
  • Eine angemessene, verlässliche und flächendeckende Grundfinanzierung der Hochschulen
  • Die Abschaffung der Lehrstühle zugunsten demokratischer Strukturen an Fachbereichen und Instituten
  • Die Trennung von Arbeitgeber/in und Betreuer/in der Qualifikationsarbeit
  • Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung als Regelfall, v.a. auch in der Qualifikationsphase
  • Die angemessene Entlohnung aller Lehrleistungen (v.a. Lehraufträge, sog. „Titellehre“ u.a.)
  • Die Abschaffung der Habilitation als Qualifikationsstufe

Der ausfürliche Forderungskatalog findet sich hier.

 

Pressemitteilung 29.05.2017

Hunderte unbezahlte Privatdozent*innen lehren an Berliner Universitäten

Wie aus der Antwort der Senatsverwaltung auf eine Anfrage von Tobias Schulze von der Partei DIE LINKE hervorgeht, leisten in Berlin im Jahr 2017 etwa 750 Privatdozent*innen (PD) eine nahezu unbezahlte Lehre. Insgesamt werden somit jährlich um die 750 Seminare ohne Bezahlung abgehalten, denn die seit den 1980er Jahren unveränderte Vergütung von 153,59 Euro pro Seminar kann nur als Schutzgebühr gelten. Wenn die Titellehre mit Lehraufträgen abgedeckt würde, müssten die Universitäten zusätzlich ungefähr 500.000 Euro aufbringen, die sie gegenwärtig auf Kosten der häufig in prekären Umständen lebenden PD einsparen.

Die vorgelegten Zahlen machen zudem deutlich, wie sehr die Misere der PD auch durch die fehlenden Dauerstellen im Mittelbau verursacht wird, denn nur sehr wenige sind hauptberuflich angestellt: An der gesamten Humboldt-Universität waren es im Jahr 2015 nur fünfzehn PD gegenüber 232 ohne hauptberufliches Beschäftigungsverhältnis;  an der Freien Universität betrug das Verhältnis 41 von 327. Die Technische Universität meldet sogar, dass unter ihren 250 PD bei stichprobenhaften Prüfungen überhaupt keine hauptberuflich Beschäftigten gefunden wurden.

Gar nicht in der Statistik enthalten ist die miserable Bezahlung von Prüfungsarbeiten, deren Bezahlung nach der Richtlinie für die Vergütung von Lehraufträgen den einzelnen Hochschulen überlassen wird. Die Betreuung einer Bachelorarbeit wird bspw. an der Humboldt-Universität mit 35 Euro abgegolten. Dies liegt weit unter dem von den Hochschulen für angewandte Wissenschaften gezahlten Satz. So vergütet die HWR die Betreuung und Begutachtung einer Abschlussarbeit immerhin mit 245 Euro. Es ist höchste Zeit, dass sich an dieser Ausbeutung sowie der Erpressung zu kostenloser Lehre etwas ändert.

LINK zur Anfrage von MdA Tobias Schulze sowie der Antwort des Senators

Für Rückfragen steht Ihnen unsere Kollegin zur Verfügung

Ulrike Stamm – HU Berlin
Mobil: 0176 76159262

Pressemitteilung 30.03.2017

Die Antwort der Bundesregierung auf die kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (BT-Drs. 18/11465) macht deutlich, dass es sich bei dem von der Bundesregierung immer wieder formulierten Anliegen, die Arbeitsbedingungen des wissenschaftlichen Personals, insbesondere die Planbarkeit einer beruflichen Zukunft in der Wissenschaft zu verbessern, letztlich nur um ein Lippenbekenntnis handelt.

Aus der Antwort geht unter anderem hervor, dass die Formulierungen in der Novellierung des WissZeitVG der freien Auslegung durch die Hochschulen überlassen bleiben. Das zeugt von geringem Gestaltungswillen seitens der Bundesregierung. Die Novellierung bleibt damit weitestgehend Makulatur. Sogar die Laufzeiten der Arbeitsverträge werden nun nicht bloß an einem mehr oder weniger frei wählbaren Qualifikationsziel festgemacht, sondern den Hochschulen wird darüber hinaus eingeräumt im Sinne größerer Flexibilität “Teilabschnitte” zu bilden.

Dazu Mathias Kuhnt vom Netzwerk für Gute Arbeit in der Wissenschaft: „Was mich dabei erbost ist, dass die Bundesregierung hier die weitere Auslegung des Gesetzes den Arbeitsgerichten überlässt und bis dies geschehen ist, über Jahre hinweg eine unzumutbare Rechtsunsicherheit geschaffen hat.“

Kontakt:
Mathias Kuhnt, Technische Universität Dresden
Mobil: 0176 2059 0002
Mail: Email

Pressemitteilung als PDF

Die Kleine Anfrage inkl. der Antworten der Bundesregierung

 

Pressemitteilung 15.03.2017

Über Beschäftigung in der Wissenschaft nicht ohne die Betroffenen reden!

“Die Zukunft des Wissenschaftsstandorts Deutschland entscheidet sich im internationalen Wettbewerb immer auch unter den Perspektiven, die wir exzellenten Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern eröffnen.”

Unter diesem Motto trifft sich Bundesbildungsministerin Johanna Wanka am morgigen Donnerstag in Berlin mit hochrangigen Vertreter_innen aus Hochschulleitungen und Landespolitik. Wohlgemerkt: Unter Ausschluss des wissenschaftlichen »Nachwuchses«, um den es eigentlich gehen soll. Auf dem Podium vertritt niemand die im Mittelbau beschäftigten Wissenschaftler_innen, viele Teilnahmeinteressierte wurden sogar wieder ausgeladen oder gar nicht erst zugelassen.

Das von der Hanns Martin Schleyer-Stiftung, der Heinz-Nixdorf-Stiftung und der Technischen Universität München organisierte XII. Hochschulsymposium zum Thema »Wissenschaft als Beruf und Berufung – neue Wissenschaftskarrieren in Deutschland« verspricht daher ein aufwändig inszeniertes Hinterzimmertreffen zu werden.

“Es ist nicht absehbar, wer die brennenden Themen der zum Wissenschaftsnachwuchs Infantilisierten ansprechen wird: Befristungssystem und Projektbeschäftigung, Unplanbarkeit von beruflichen Entwicklungswegen, jahrzehntelange persönliche Abhängigkeit, Familienunfreundlichkeit, permanente Arbeitsüberlastung etc.”, erklärt hierzu Tilman Reitz, der als Vertreter für das »Netzwerk für Gute Arbeit in der Wissenschaft« (NGAWiss) vor Ort sein wird.

Für NGAWiss ist die hier offen zur Schau gestellte Ignoranz ein Skandal. „Anstatt auf die im neuen »Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs« belegten Probleme der Betroffenen einzugehen (NGAWiss-Pressemitteilung vom 16.2.) und diese einzubinden, wird hier voraussichtlich wieder Exzellenz-Nabelschau betrieben”, meint Tilman Reitz. “Damit lassen sich die massiven Probleme des deutschen Hochschulsystems nicht verhandeln, geschweige denn lösen.”

Das am 21. Januar in Leipzig gegründete »Netzwerk für Gute Arbeit in der Wissenschaft«, das bundesweit Initiativen im akademischen Mittelbau zusammenführt, fordert einen grundlegenden Wandel: Gute Arbeit für alle statt ruinöser Exzellenz!

“Wenn das Hochschulsymposium seinem Anspruch gerecht werden will, müsste es die Voraussetzungen eines solchen Wandels besprechen – von einer stark ausgeweiteten Grundfinanzierung der Hochschulen, die endlich dem gewachsenen Bedarf gerecht würde, bis zur Abkehr vom mittelbaufeindlichen Projektbetrieb in der Forschung”, setzt PD Ulrike Stamm dem hinzu.

Für Rückfragen stehen Ihnen unsere Kolleg_innen zur Verfügung

Tilman Reitz – Uni Jena
Mobil: 0151 5638 4150
Email
Ulrike Stamm – HU Berlin
Mobil: 0176 7615 9262
Email

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Pressemitteilung 16.02.2017

Der heute vorgestellte Bundesbericht wissenschaftlicher Nachwuchs 2017 zeigt erneut die Defizite in der Personalstruktur der Hochschulen in Deutschland auf. Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist in der Wissenschaft weiterhin nicht gegeben

Laut den im Bericht vorgestellten Zahlen stellen Promovierende die tragende Säule für die von den Hochschulen geleistete Arbeit dar. Im eben veröffentlichen BuWiN wird geschätzt, dass 109.880 Promovierenden nur 35.047 Promovierte, so genannte Postdocs gegenüberstehen. Im Vergleich dazu wird von 45.749 Professorinnen und Professoren ausgegangen.

Aus den im Bericht wiedergegebenen Zahlen ergibt sich weiter, dass diese Promovierenden nur einen Bruchteil, durchschnittlich etwa 20%, ihrer bezahlten Arbeitszeit für ihre eigene Weiterqualifikation verwenden können. Denn die Mehrheit von ihnen hat nur Teilzeitstellen. Dazu Mathias Kuhnt vom Netzwerk für Gute Arbeit in der Wissenschaft: „Wir haben damit eine Personalstruktur, bei der ein Großteil der Arbeit von Promovierenden in einer relativ kurzen Anstellungsphase und für viele ohne weitere berufliche Perspektiven geleistet wird. Es stellt sich die Frage, ob so wirklich die besten Ergebnisse in Bezug auf die Qualität der Arbeit erzielt werden können.“

„Nach der Promotionsphase kann von planbaren Berufswegen keine Rede sein“, so Kuhnt weiter. Auch die vom Bund aufgelegte Tenure-Track-Initiative werde in Zukunft nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Die schwierigen Bedingungen an den Hochschulen zeigen sich nicht zuletzt in der Untersuchung der Gründe für die Kinderlosigkeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

Die Erwartung, dass mit den durch die Hochschulen bisher eingeleiteten Maßnahmen eine Verbesserung eintritt, kann das Netzwerk für Gute Arbeit in der Wissenschaft nicht teilen. Dazu Kuhnt: „Es ist zynisch, auf solche kosmetischen Maßnahmen zu verweisen, wo doch die Ergebnisse der eigenen Studie eine andere Sprache sprechen. Der Grund für die Kinderlosigkeit ist vor allem die materielle Unsicherheit durch kurzbefristete Verträge und unsichere Aussichten in Bezug auf eine Weiterbeschäftigung. Dem wird nach wie vor nicht begegnet.“

Das Netzwerk für Gute Arbeit in der Wissenschaft setzt sich hingegen für eine zügige
unbefristete Beschäftigung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nach der Promotion
ein, wie sie in den meisten anderen Industrieländern üblich ist.

Kontakt:
Mathias Kuhnt, Technische Universität Dresden
Mobil: 0176 2059 0002
Mail: mail@mittelbau.net

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