Komm auf slack

Du fragst dich, wie wir – die Initiativen und Einzelpersonen im Netzwerk für gute Arbeit in der Wissenschaft – miteinander kommunizieren?

Wir kommunizieren bundesweit über „Slack“. Slack heißt die Kommunikationsplattform, die wir bei NGAWiss benutzen.

Möglicherweise denkst du: oh nein, nicht noch eine neue Kommunikationstechnik lernen. Doch wir wollen dir Mut machen! Auch mit wenig Erfahrung mit sozialen Netzwerken kannst du das Prinzip schnell verstehen. Slack bietet viele tolle Möglichkeiten!

Warst du schon einmal bei einem NGAWiss-Treffen und willst an der Plattform teilhaben? Dann schreib eine Mail an: email hidden; JavaScript is required

Für einen ersten Einstieg haben wir ein Dokument erstellt, um die Hemmschwelle zu überwinden: Zum Dokument

 

Aber Achtung:
Die Kommunikationsplattform Slack kann keine analogen Treffen ersetzen! Erst, wenn wir uns regelmäßig an den vielen Standorten in Deutschland treffen, können wir auch auf Slack die Übersicht behalten und verstehen, was da auf der Plattform diskutiert und bearbeitet wird!

NGAWiss verliest Forderungen vor Hochschulrektorenkonferenz in Potsdam

Das Netzwerk für Gute Arbeit in der Wissenschaft (NGAWiss) überbrachte am Dienstag, den 14.11.2017 in Potsdam den Präsident*innen und Rektor*innen der deutschen Hochschulen und Universitäten Forderungen nach umfassender Entfristung der Beschäftigten im Mittelbau und forderte die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) auf, die vorhandenen Handlungsspielräume der Hochschulen besser zu nutzen, um prekäre Arbeitsbedingungen wissenschaftlicher Mitarbeiter*innen zu beenden.

Ab 8.30 Uhr begrüßten Aktivist*innen von NGAWiss die anreisenden Hochschulrektor*innen und Präsident*innen vor dem Audimax der Uni Potsdam mit einer Protestkundgebung und Slogans wie „Hochschulrektoren, hört jetzt her – wir haben keinen Bock mehr auf prekär“.

Nach dem lautstarken Protest zogen die Protestierenden in den Tagungssaal. Dort verlasen sie eine Stellungnahme an die HRK und luden sich für die nächste Hochschulrektorenkonferenz ein, um die eigenen Forderungen zu diskutieren.

NGAWiss kritisiert, dass die HRK das System der uferlosen Befristung und das verkrustete Lehrstuhlprinzip noch immer trägt und befördert. Die Hochschulrektor*innen begreifen sich als Stimme der Hochschulen – doch tagen sie bisher ohne Beteiligung der überwiegenden Mehrheit der Wissenschaftler*innen.

Die Kundgebung stand unter dem Motto „Wir sind die 93%“. Auf der Kundgebung forderte NGAWiss unter anderem die Entfristung im Mittelbau, Demokratisierung der Hochschulen und eine breite Grundfinanzierung für gute Arbeit und gute Lehre an den Hochschulen.

„93% der im Mittelbau vergebenen Arbeitsverträge sind befristet. Das Sonderbefristungsrecht der Hochschulen, das im Wissenschaftszeitvertragsgesetz geregelt ist, wird missbraucht und muss abgeschafft werden. Es ist ein Unding, dass vollständig ausgebildete Wissenschaftler*innen befristet beschäftigt werden, wenn sie Daueraufgaben wahrnehmen.“ sagte NGAWiss-Aktivist Fabian Frenzel vor Ort.

Ansprache an die HRK

(c) Katharina Maria Schmitt

verlesen am 14.11.2017 in Potsdam

Guten Tag,

wir freuen uns, für fünf Minuten Ihr Ohr zu haben, um ein Problem anzusprechen, das praktisch jeden von uns, die wir als akademischer „Nachwuchs“ bezeichnet werden, als Einzelkämpfer*in betrifft, solange wir Wissenschaft betreiben – und das uns im Einzel­kämpfertum zumeist auch gefangen hält. Im Namen einer besseren Hochschule und einer besseren Wissenschaft möchten wir dieses Problem als das kollektive und struk­turelle thematisieren, das es ist, und Sie zur Auseinandersetzung damit auffordern.

Dieses im hochschulpolitischen Diskurs meist als „Flaschenhalsproblematik“ ange­sprochene Problem stellt sich in klaren Zahlen wie folgt dar: Auf eine einzige Professur, also den unter den aktuellen Verhältnissen nahezu einzigen unbefristeten Stellentyp, kommen, wenn man die Frequenz ihrer Besetzbarkeit zugrundelegt: fünfundzwan­zig Doktorand*innen, ca. acht Postdoktorand*innen und fünf Habilitierte. Je nach Qualifizierungsstufe werden also  80, 88 oder 96 Prozent von uns, die wir Wissenschaft betreiben und dafür ausgebildet werden und sind, nur qualifi­ziert, um zu irgendeinem – für die Einzelnen nie absehbaren, aber nahezu unausweichlichen – Zeitpunkt wieder disqualifiziert zu werden.

In der Presse liest man zu diesem Problem, die deutschen Hochschulen funktionierten „wie eine Firma, die alle Angestellten unwiderruflich kündigt, die es nicht in einer gewissen Zeit zum Abteilungsleiter gebracht haben“. (WDR) Nachzu­tragen wäre, dass die „gewisse Zeit“ im Falle der 80% meist ein halbes Berufsleben ausmacht.  Doch angesichts kürzester Vertragslaufzeiten, angesichts Massenandrangs auf jede ausgeschriebene Stelle und Berufs­verbotsdrohung durch die Weise, in der die Hochschulen das Wissenschaftszeitvertragsgesetz auslegen, beschreibt vielleicht auch ein anderes Bild unsere Lage. Wir kommen uns vor wie eine Heerschar, die, abwechselnd rennend und in Deckung gehend, unter Dauerbeschuss die Stellung der wissenschaftlichen Exzellenz erobern soll, in dem sicheren Wissen, dass auf dem Wege dahin nahezu alle liegenbleiben werden. Wir sind 145 000, von denen 8000 übrig geblieben sein werden, wenn sie den Status erreichen, mit dem man Wissenschaftler*innen nicht nur sein darf, sondern es auch bleiben. Manche nennen das mit einem nicht viel weniger martialischen Bild Bestenauslese; gemeinsam ist beidem, dass die Vielen vor allem dazu da sind, die Wenigen zu befördern.

Unser Aufruf an Sie lautet daher: Machen Sie uns nicht länger zum Kanonen­futter einer Wettbewerbsideologie, die mehr Karriereleichen produziert als Karrie­risten. Hören Sie auf, uns als wissenschaftlichen Nachwuchs zu bezeichnen, wenn doch „Nachwachsen“ für die meisten nichts Besseres heißt, als untergepflügt zu werden wie die schief gewachsene Kartoffel oder die Gurke mit falschem Krümmungs­grad. Als Hochschulleitungen sorgen Sie alltäglich dafür, dass fast niemand von uns nach Ablauf der Zwölf-Jahres-Frist weiterbeschäftigt wird, wie in anderen Berufen schon nach zwei Jahren. Stattdessen werden wir hochqualifiziert in die Beschäftigungs­losigkeit entlassen, werden langwierig erworbener Sachverstand, Erfahrung und Wissen mit Ihrer praktischen und ideellen Zustimmung entwertet. Die nächste Kartoffel könnte ja runder sein, und Produktionsmittel gibt es reichlich.

Als Teil der Allianz der Wissenschaftsorganisationen hat die HRK 2011 das Wissen­schafts­zeitvertrags­gesetz zu einem „unverzichtbaren Instrument“ erklärt, „um die hohe Qualität unseres wissen­schaftlichen Personals zu sichern“. Ihr Standpunkt ist also offenbar, dass gute Forschung und Lehre durch die Selektion der sie Betreibenden zu gewährleisten sei – und nicht durch Arbeits­verhältnisse, die es ermöglichen, sich auf die Kernaufgaben der Wissenschaft zu konzentrieren.

In einer Zeit, in der die Freiheit der Wissenschaft bedeutsamer ist denn je, fordern wir Sie auf, diesen Standpunkt zu revidieren. Nicht nur wir haben inzwischen den Eindruck, dass der Zwang zu Selbstdar­stellung und karrieretechnischer Über­lebenssicherung, der Wettbewerb um Drittmittel und hochrangige Publikationsorte (an dem wir mal aktiv, mal abhängig teilnehmen müssen) und eine permanente Evaluie­rungsaktivität Forschung und Lehre zusehends zur Nebensache degradieren. So aber sabotiert eine Personalpolitik der Prekarisierung und Endlosselektion die Wissen­schaft durch ihre eigenen vermeintlichen Qualitätssicherungs­maßnahmen. Es sind nicht Angst, Abhängigkeit, Opportunismus und Über­lebenswille, die Wissenschaft zum Blühen bringen, sondern Autonomie und die Möglichkeit langfristig selbst­bestimmten Arbeitens. Trauen Sie Ihren Beschäftigten zu, das unter Beweis zu stellen – und erkennen Sie mit praktischen Maßnahmen an, wie sehr wir es schon unter Beweis gestellt haben.

Hiermit laden wir uns selbst auf die nächste Hochschulrektor*innenkonferenz ein. Wir sind das “Netzwerk für Gute Arbeit in der Wissenschaft (NGAWiss)” – und freuen uns von Ihnen zu hören.
Auf Wiedersehen!

Tagung mit GEW/Aktion bei HRK 13./14.11.

Aufruf zum NGAWiss-Bundestreffen, zur Tagung (zus. mit der GEW) und zur Aktion bei der Hochschulrektorenkonferenz

12.11.2017 – NGAWiss-Bundestreffen
15:00-19:30 Uhr
Technische Universität Berlin, Zentrum Technik und Gesellschaft, Hardenbergstr. 16-18, 10623 Berlin, 6. Etage, Seminarraum 6.06
Ablaufplan

13.11.2017 – Tagung (NGAWiss & GEW) „Gute Arbeit in der Wissenschaft“
11:00-17:45 Uhr
Technische Universität Berlin, Zentrum Technik und Gesellschaft, Hardenbergstr. 16-18, 10623 Berlin, Hörsaal im Erdgeschoss (05)
Flyer & Programm

14.11.2017 – Aktion vor der HRK
8:30 Uhr
Ort: Audimax, Am Neuen Palais 10, Haus 8, 14469 Potsdam
Aufruf zur Kundgebung

Viele haben genug davon, dass wissenschaftliche Arbeit in Deutschland überwiegend unter Bedingungen nicht nur kurzfristiger Prekarität, sondern auch langfristiger Perspektivlosigkeit und in persönlicher Abhängigkeit geleistet wird. Immer mehr von uns organisieren sich. Im Februar 2017 hat sich das Netzwerk für Gute Arbeit in der Wissenschaft (#NGAWiss) gegründet, um bundesweit für spürbar bessere Beschäftigungsbedingungen im sogenannten Mittelbau zu kämpfen. Nun laden wir ein zu Tagung und Aktion:

Am Sonntag, dem 12. November, trifft sich das Netzwerk für Gute Arbeit in der Wissenschaft in Berlin. Bei diesem Bundestreffen wollen wir über den Forderungskatalog und unsere Kommunikationsstrukturen sprechen sowie
unseren Besuch bei der Hochschulrektorenkonferenz vorbereiten.

Neu Interessierte sind herzlich eingeladen!

Am Montag, dem 13. November veranstalten wir in Berlin eine Tagung gemeinsam mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die seit Jahren verlangt, Wissenschaft auch jenseits der Professur zu einem akzeptablen Beruf zu machen. Wir wollen dort den Forderungskatalog von NGAWiss sowie die Personalentwicklungskonzepte der GEW diskutieren und Verantwortliche aus der Hochschulpolitik bitten, zu unseren Forderungen Stellung zu beziehen.

Es fügt sich, dass am Folgetag dem 14. November in Potsdam die Hochschulrektorenkonferenz tagt. Im Streit um bessere wissenschaftliche Arbeitsbedingungen sind die Hochschulleitungen potenzielle Verbündete, aber
leider sehr oft faktische Gegner: Sie fordern wie wir eine Finanzierung der Hochschulen, die den dramatisch gewachsenen Studierendenzahlen gerecht wird – doch zugleich tragen sie mit wenigen Ausnahmen das System der prekären Beschäftigung mit, engagieren sich im Betrieb der befristeten Forschungsprojekte und pflegen die Privilegien der Professorenschaft. Um sie zu mehr Solidarität zu bewegen, wollen wir am 14. November in Potsdam Präsenz zeigen. Wir laden alle Interessierten und Engagierten – wissenschaftliche und studentische Beschäftigte, Lehrbeauftragte, Promovierende und Habilitierte, Studierende und Professor*innen – ein, an diesem Tag ein Zeichen zu setzen:

Der deutsche Hochschulbetrieb muss demokratisch werden und faire Arbeitsbedingungen bieten! Für gute Forschung und Lehre!

Bitte ab sofort für den 12.11. anmelden (und/oder am besten auch zur Aktion am 14.11.) unter email hidden; JavaScript is required

Anmeldung zur Tagung am 13.11.: LINK zur GEW

Schlafplätze in Berlin können wir bei Bedarf privat vermitteln.

Aufruf 14.11.

Eintreten! – Für Gute Arbeit in Forschung und Lehre

Wir sind die 93 Prozent!

Flyer Kundgebung

Am 14. November 2017 tagt in Potsdam die Hochschulrektorenkonferenz (HRK), die sich selbst „Stimme der Hochschulen“ nennt. Wir meinen: da fehlt etwas! Die zahlreichen Stimmen der Beschäftigten im so genannten Mittelbau oder wissenschaftlichen Nachwuchs. Die Stimmen der fast 200.000 Menschen also, die täglich engagiert und kompetent den größten Teil der Arbeit in Forschung und Lehre stemmen, und dafür seit Jahrzehnten mit Billigjobs, Kurz- und Mittelfristverträgen, persönlicher Abhängigkeit, unsicheren Zukunftsperspektiven und entgrenzter Arbeit „belohnt“ werden.

Weil sich das ändern muss, weil Arbeit in der Wissenschaft kein Abenteuersport, sondern ein Beruf ist, weil diese prekären Arbeitsverhältnisse auch die Studienbedingungen der Studierenden verschlechtern und weil wir nicht einsehen, dass unsere Stimmen in Hochschulgremien und -politik systematisch überhört werden, werden wir die Hochschulrektorenkonferenz mit unseren Forderungen konfrontieren.

Kommt zahlreich und bringt Kolleg*innen mit zur Kundgebung

Am Dienstag, den 14.11.17 um 8:30 vor der Hochschulrektorenkonferenz

Audimax, Am Neuen Palais 10, Haus 8, 14469 Potsdam

++++++Und: WEITERSAGEN++++++

Qualität statt Prekarität

Wissenschaftler*innen fordern das Ende der Ausbeutungsstrukturen an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen

Am 31. August 2017 stellt das Netzwerk seine Forderungen für eine umfassende Reform des deutschen Wissenschaftsbetriebs auf einer Bundespressekonferenz in Berlin vor.

Alle Materialien finden Sie hier (klicken).

Im Einzelnen fordert NGAWiss in dem 7-seitigen Forderungskatalog:

  • Unbefristete Beschäftigungsverträge nach der abgeschlossenen Promotion
  • Die Abschaffung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes
  • Eine angemessene, verlässliche und flächendeckende Grundfinanzierung der Hochschulen
  • Die Abschaffung der Lehrstühle zugunsten demokratischer Strukturen an Fachbereichen und Instituten
  • Die Trennung von Arbeitgeber/in und Betreuer/in der Qualifikationsarbeit
  • Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung als Regelfall, v.a. auch in der Qualifikationsphase
  • Die angemessene Entlohnung aller Lehrleistungen (v.a. Lehraufträge, sog. „Titellehre“ u.a.)
  • Die Abschaffung der Habilitation als Qualifikationsstufe

Gleichzeitig richten Vertreter*innen von NGAWiss gemeinsam mit dem Promovierendennetzwerk der Max Planck Institute Max Planck PhDNet einen kritischen Blick auf die wissenschaftspolitischen Programme der Bundestagsparteien anlässlich der Bundestagswahl.

„Wissenschaftspolitik kommt im Wahlkampf kaum vor, während sich scheinbar alle einig sind, dass wir in einer Wissensgesellschaft leben. Die wissenschaftspolitischen Programme der Parteien enttäuschen überwiegend. Wir freuen uns, dass einige Parteien mehr Geld in die Wissenschaft stecken wollen, doch ohne die notwendigen umfangreichen Reformen wird dieses Geld keine bessere Lehre und Forschung ermöglichen“, so Mathias Kuhnt.

Für Rückfragen stehen Ihnen unsere Kolleg*innen zur Verfügung:

Mathias Kuhnt
Mobil:  0176/20590002
Mail: email hidden; JavaScript is required
Ulrike Stamm
Mobil: 0176/76159262
Mail: email hidden; JavaScript is required
Fabian Frenzel
Mobil: 0157/39624813
Mail: email hidden; JavaScript is required
Hintergrund:

Das Netzwerk für Gute Arbeit in der Wissenschaft (NGAWiss) ist der erste bundesweite und fächerübergreifende Zusammenschluss von Initiativen des sogenannten akademischen „Mittelbaus“.  Dazu zählen Promovierende, Studentische Mitarbeiter*innen, Stipendiat*innen, Privatdozent*innen, Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen, künstlerisches Personal, Lehrbeauftragte und Juniorprofessor*innen – also die große Zahl derer, die fast immer auf befristeten Stellen einen Großteil der regulären Forschung und Lehre leisten. Das Netzwerk setzt sich für eine grundlegende Umgestaltung der Strukturen innerhalb der deutschen Wissenschaft ein und kooperiert zu diesem Zweck mit Stiftungen und Gewerkschaften.

 

Pressemitteilung 31.08.2017

Presseerklärung zur Bundespressekonferenz am 30.08.2017

Qualität statt Prekarität

Wissenschaftler*innen fordern das Ende der Ausbeutungsstrukturen an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen

Seit Jahren verschlechtern sich die Arbeitsbedingungen in der deutschen Wissenschaft. Befristungen von unter einem Jahr, die Unter- oder Nicht-Entlohnung von Lehrtätigkeit und der Verschleiß von hoch qualifiziertem wissenschaftlichem Personal sind inzwischen der Regelfall. 75% aller wissenschaftlich Beschäftigten haben befristete Arbeitsverträge. Zum Vergleich: in Frankreich und Großbritannien sind lediglich ein Viertel, in den USA sogar nur ein Fünftel der wissenschaftlichen Arbeitsverträge befristet.

Grafik nach R. Kreckel: Akademischer Nachwuchs als Beruf?, S. 5/16. Unter: http://www2.soziologie.uni-halle.de/emeriti/kreckel/docs/nachwuchs-weber-txt-fertig-kre.pdf

„Das deutsche Universitätssystem, das in politischen Sonntagsreden so hoch gelobt wird, basiert zu Teilen auf der Ausbeutung derer, die ohne Absicherung und ohne angemessene Bezahlung unterrichten”, sagt PD Dr. Ulrike Stamm.

Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen belegen die schlechten Bedingungen für Wissenschaftler*innen in Deutschland. Es wird allgemein anerkannt, dass die derzeitigen Zustände unhaltbar sind. Doch trotz oder gerade wegen aller Maßnahmen, die die Politik in den letzten Jahren ergriffen hat, hat sich die Situation nur verschlimmert. Dies gilt insbesondere für die inzwischen immer umfangreicheren Forschungsmittel, die der Bund über die Exzellenzförderung sowie über spezifische Forschungsprogramme als Drittmittel vergibt. Mehr Geld fließt, doch dieses Geld ist projektgebunden und verstärkt damit die Praxis und Zahl der Befristungen.

„Das Geld, das der Bund in den letzten Jahren in die Bildung investiert hat, hat die Arbeitsbedingungen der Akademiker*innen tendenziell noch verschlechtert. Wir brauchen weitaus umfassendere Reformen. Geld allein kann die Probleme nicht beheben“, so Dr. Mathias Kuhnt.

Die Grundfinanzierung der Hochschulen und Forschungseinrichtungen reicht immer weniger zur Deckung der Grundaufgaben der Hochschulen, ist in den letzten Jahren tendenziell gesunken, während viel Geld in Maßnahmen wie die Exzellenzinitiative und projektgebundene Forschungsförderung geflossen ist. Gleichzeitig steigen die Studierendenzahlen. Die Hochschulen sind so gezwungen, immer mehr Lehre durch den massenhaft prekär beschäftigten Nachwuchs sowie unbezahlte Privatdozent*innen und unterbezahlte Lehrbeauftragte zu bewältigen. Dies wirkt sich nicht zuletzt auf die Qualität der Lehre sowie der Betreuung aus, die immer schlechter zu gewährleisten sind.

Die Forschung leidet derweil unter einer Struktur, in der wenige Professor*innen zunehmend die einzig permanenten Arbeitskräfte an der Universität sind. Auch ihre Arbeitsbedingungen verschlechtern sich, weil die akademische Selbstverwaltung und immer umfangreichere Verwaltungsaufgaben für immer mehr befristet beschäftigte Kollegen*innen zu bewältigen sind. Gleichzeit steigt die Macht der Professor*innen und damit die Gefahr von Missbrauch und Korruption, was die Forschungsqualität ebenfalls bedroht.

„Wissenschaftspolitik kommt im Wahlkampf kaum vor, während sich scheinbar alle einig sind, dass wir in einer Wissensgesellschaft leben. Die wissenschaftspolitischen Programme der Parteien enttäuschen überwiegend. Wir freuen uns, dass einige Parteien mehr Geld in die Wissenschaft stecken wollen, doch ohne die notwendigen umfangreichen Reformen wird dieses Geld keine bessere Lehre und Forschung ermöglichen“, so Mathias Kuhnt.

Für Rückfragen stehen Ihnen unsere Kolleg*innen zur Verfügung:

Mathias Kuhnt
Mobil:  0176/20590002
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Ulrike Stamm
Mobil: 0176/76159262
Mail: email hidden; JavaScript is required
Fabian Frenzel
Mobil: 0157/39624813
Mail: email hidden; JavaScript is required

Zur Pressemitteilung als pdf hier klicken.

NGAWiss-Forderungen

Seit einigen Jahren wächst der Protest der Mittelbau-Initiativen, PromovierendenVerbände und anderer Betroffener. Im Netzwerk für Gute Arbeit in der Wissenschaft haben sich im Januar 2017 in Leipzig über 100 Vertreter*innen aus über 30 wissenschaftlichen Einrichtungen und Hochschulen zusammengeschlossen. 
Heute stellt das Netzwerk seine Forderungen für eine umfassende Reform des deutschen Wissenschaftsbetriebs vor. 
Im Einzelnen fordert NGAWiss in dem 7-seitigen Forederungskatalog:
  • Unbefristete Beschäftigungsverträge nach der abgeschlossenen Promotion
  • Die Abschaffung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes
  • Eine angemessene, verlässliche und flächendeckende Grundfinanzierung der Hochschulen
  • Die Abschaffung der Lehrstühle zugunsten demokratischer Strukturen an Fachbereichen und Instituten
  • Die Trennung von Arbeitgeber/in und Betreuer/in der Qualifikationsarbeit
  • Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung als Regelfall, v.a. auch in der Qualifikationsphase
  • Die angemessene Entlohnung aller Lehrleistungen (v.a. Lehraufträge, sog. „Titellehre“ u.a.)
  • Die Abschaffung der Habilitation als Qualifikationsstufe

Der ausfürliche Forderungskatalog findet sich hier.

 

Workshop 7.7. Frankfurt/M.

unter_bau und NGAWiss laden ein:
 
Mittelbauinitiativen vor Ort gründen.
Lokal kollektiv handlungsfähig werden.
 
Am Freitag, den 7. Juli 2017, 10-18 Uhr
Im Studierendenhaus, Mertonstraße 26, Frankfurt/M.
 
Wie können prekär beschäftigte WissenschaftlerInnen sich zusammenschließen und lokal kollektiv handlungsfähig werden?  Wie finden EinzelkämpferInnen zusammen und wie können wir lokal mobilisieren? 
#NGAWiss hat sich aus einigen starken lokalen Mittelbauinitiativen gegründet. Es ist klar, dass die Stärke unseres Netzwerkes und unserer Kritik am derzeitigen Wissenschaftssystem davon abhängt, dass es mehr starke lokale Gruppen gibt. 
Das Treffen in Frankfurt dient dazu, lokalen Gruppen und EinzelkämpferInnen beim lokalen Aufbau zu helfen und in Kontakt zu bringen. Es wird konkrete Beispiele aus der Praxis existierender Gruppen geben, sowie spezifische Workshops zur Organisierung und Aufbau lokaler Strukturen.  Außerdem wird in Frankfurt unser lange angekündigter Leitfaden zum Aufbau lokaler Organisation geplant und so weit wie möglich zusammengestellt werden. 
Anmeldungen einfach kurzemail hidden; JavaScript is required.
Schlafplätze können für Donnerstag und Freitag organisiert werden
 
10 Uhr: Begrüßung und Vorstellungsrunde
 
10.30-12Uhr
Inputs von Mittelbauinitiativen zur eigenen Geschichte (je ca. 15 Min.)
– Mittelbau-Ini Dresden
– Prekäres Wissen Berlin
– unter_bau (Frankfurt)
– Mittelbau-Ini Mannheim im Aufbau 
 
12-13Uhr
– unter_bau zum Organizing (15-20 Min.)
– Gemeinsame Diskussion zu Organizing-Erfahrungen und Strategien
 
13-14Uhr: Mittag
 
14-15.30
Workshopphase 1): Austausch und Diskussion zum lokalen Aufbau und Leitfadenentwurf
 
15.30 Kaffeepause
 
16-17.30
Workshopphase 2): Austausch und Diskussion zum lokalen Aufbau und Leitfadenentwurf
 
17.30: Abschlussplenum
 
18.00 Lokale Organisation im lokalen Lokal! Gemeinsamer Abend in FFM!

 

&

Pressemitteilung 29.05.2017

Hunderte unbezahlte Privatdozent*innen lehren an Berliner Universitäten

Wie aus der Antwort der Senatsverwaltung auf eine Anfrage von Tobias Schulze von der Partei DIE LINKE hervorgeht, leisten in Berlin im Jahr 2017 etwa 750 Privatdozent*innen (PD) eine nahezu unbezahlte Lehre. Insgesamt werden somit jährlich um die 750 Seminare ohne Bezahlung abgehalten, denn die seit den 1980er Jahren unveränderte Vergütung von 153,59 Euro pro Seminar kann nur als Schutzgebühr gelten. Wenn die Titellehre mit Lehraufträgen abgedeckt würde, müssten die Universitäten zusätzlich ungefähr 500.000 Euro aufbringen, die sie gegenwärtig auf Kosten der häufig in prekären Umständen lebenden PD einsparen.

Die vorgelegten Zahlen machen zudem deutlich, wie sehr die Misere der PD auch durch die fehlenden Dauerstellen im Mittelbau verursacht wird, denn nur sehr wenige sind hauptberuflich angestellt: An der gesamten Humboldt-Universität waren es im Jahr 2015 nur fünfzehn PD gegenüber 232 ohne hauptberufliches Beschäftigungsverhältnis;  an der Freien Universität betrug das Verhältnis 41 von 327. Die Technische Universität meldet sogar, dass unter ihren 250 PD bei stichprobenhaften Prüfungen überhaupt keine hauptberuflich Beschäftigten gefunden wurden.

Gar nicht in der Statistik enthalten ist die miserable Bezahlung von Prüfungsarbeiten, deren Bezahlung nach der Richtlinie für die Vergütung von Lehraufträgen den einzelnen Hochschulen überlassen wird. Die Betreuung einer Bachelorarbeit wird bspw. an der Humboldt-Universität mit 35 Euro abgegolten. Dies liegt weit unter dem von den Hochschulen für angewandte Wissenschaften gezahlten Satz. So vergütet die HWR die Betreuung und Begutachtung einer Abschlussarbeit immerhin mit 245 Euro. Es ist höchste Zeit, dass sich an dieser Ausbeutung sowie der Erpressung zu kostenloser Lehre etwas ändert.

LINK zur Anfrage von MdA Tobias Schulze sowie der Antwort des Senators

Für Rückfragen steht Ihnen unsere Kollegin zur Verfügung

Ulrike Stamm – HU Berlin
Mobil: 0176 76159262