Pressemitteilung 15.03.2017

Über Beschäftigung in der Wissenschaft nicht ohne die Betroffenen reden!

„Die Zukunft des Wissenschaftsstandorts Deutschland entscheidet sich im internationalen Wettbewerb immer auch unter den Perspektiven, die wir exzellenten Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern eröffnen.“

Unter diesem Motto trifft sich Bundesbildungsministerin Johanna Wanka am morgigen Donnerstag in Berlin mit hochrangigen Vertreter_innen aus Hochschulleitungen und Landespolitik. Wohlgemerkt: Unter Ausschluss des wissenschaftlichen »Nachwuchses«, um den es eigentlich gehen soll. Auf dem Podium vertritt niemand die im Mittelbau beschäftigten Wissenschaftler_innen, viele Teilnahmeinteressierte wurden sogar wieder ausgeladen oder gar nicht erst zugelassen.

Das von der Hanns Martin Schleyer-Stiftung, der Heinz-Nixdorf-Stiftung und der Technischen Universität München organisierte XII. Hochschulsymposium zum Thema »Wissenschaft als Beruf und Berufung – neue Wissenschaftskarrieren in Deutschland« verspricht daher ein aufwändig inszeniertes Hinterzimmertreffen zu werden.

„Es ist nicht absehbar, wer die brennenden Themen der zum Wissenschaftsnachwuchs Infantilisierten ansprechen wird: Befristungssystem und Projektbeschäftigung, Unplanbarkeit von beruflichen Entwicklungswegen, jahrzehntelange persönliche Abhängigkeit, Familienunfreundlichkeit, permanente Arbeitsüberlastung etc.“, erklärt hierzu Tilman Reitz, der als Vertreter für das »Netzwerk für Gute Arbeit in der Wissenschaft« (NGAWiss) vor Ort sein wird.

Für NGAWiss ist die hier offen zur Schau gestellte Ignoranz ein Skandal. „Anstatt auf die im neuen »Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs« belegten Probleme der Betroffenen einzugehen (NGAWiss-Pressemitteilung vom 16.2.) und diese einzubinden, wird hier voraussichtlich wieder Exzellenz-Nabelschau betrieben“, meint Tilman Reitz. „Damit lassen sich die massiven Probleme des deutschen Hochschulsystems nicht verhandeln, geschweige denn lösen.“

Das am 21. Januar in Leipzig gegründete »Netzwerk für Gute Arbeit in der Wissenschaft«, das bundesweit Initiativen im akademischen Mittelbau zusammenführt, fordert einen grundlegenden Wandel: Gute Arbeit für alle statt ruinöser Exzellenz!

„Wenn das Hochschulsymposium seinem Anspruch gerecht werden will, müsste es die Voraussetzungen eines solchen Wandels besprechen – von einer stark ausgeweiteten Grundfinanzierung der Hochschulen, die endlich dem gewachsenen Bedarf gerecht würde, bis zur Abkehr vom mittelbaufeindlichen Projektbetrieb in der Forschung“, setzt PD Ulrike Stamm dem hinzu.

Für Rückfragen stehen Ihnen unsere Kolleg_innen zur Verfügung

Tilman Reitz – Uni Jena
Mobil: 0151 5638 4150
Email
Ulrike Stamm – HU Berlin
Mobil: 0176 7615 9262
Email

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