#NGAWiss zur Verkündung der Exzellenzcluster am 27.09.2018

Exzellenz für wenige oder gute Beschäftigungsbedingungen für alle?

Als die Exzellenzinitiative noch nicht als Exzellenzstrategie auf Dauer gestellt war, hat man bemerkt, dass sie die Arbeitsbedingungen des sogenannten wissenschaftlichen Nachwuchses keineswegs verbessert. In der offiziellen Evaluation des Programms werden die entsprechenden Grundprobleme im deutschen Hochschulsystem präzise benannt. Prekäre Beschäftigung breitet sich aus, und am Ende herrscht eine ‘Flaschenhalsproblematik’: existenzielle Konkurrenz um die wenigen professoralen Dauerstellen.

Zur ausführlichen Kritik von NGAWiss am Exzellenzdogma
Zur NGAWiss-Pressemitteilung (vom 26.09.2018)

Die Exzellenzstrategie verschleiert die Grundprobleme der mangelnden Finanzierung von For­schung und Lehre, sie vertieft absichtsvoll bereits bestehende Gefälle zwischen einigermaßen forschungsfähigen und mit Lehre und Verwaltung überlasteten Standorten, sie setzt besonders junge Forschende einem absurden Konkurrenzdruck aus, sie engt die Themen vielversprechen­der Forschung unnötig ein, und sie ist die Spitze einer gewaltigen Fehlallokation öffentlicher Mittel in Wettbewerbe statt Grundfinanzierung.

Nötig wäre das genaue Gegenteil dieser Tendenzen und Orientierungen. Die Spitzenleistungen, die das deutsche Wissenschaftssystem erbringen soll, sind nur von guten Arbeitsbedingungen für alle seine Mitglieder zu erwarten. Denn was unter den Bedingungen permanenten Wettbe­werbs gefördert wird, läuft auf das kurzfristig und prestigestrategisch angelegte Produzieren von “Sichtbarkeit” hinaus, also auf hektische Fleißarbeit für viel gelesene Zeitschriften und einnahmeträchtige Projektanträge. Was ein so strukturierter Wissenschaftsbetrieb nicht ge­währt, sind die Unabhängigkeit und Sicherheit, die es braucht, um langfristig originelle For­schungsansätze zu entwickeln, die allein echte Fortschritte darstellen.